Gesund und munter
Wie verläuft die medizinische Betreuung nach der Entlassung?
Bei Problemen können Sie jederzeit in der Klinik anrufen. Dort ist Tag und Nacht jemand für Sie und Ihr Baby da. In den meisten Fällen wird Ihnen von der Klinik innerhalb von zwei Wochen nach der Entlassung eine Nachsorgeuntersuchung angeboten. Hier schaut der Arzt, ob gesundheitlich alles in Ordnung ist und Sie können erfahren, wie viel Ihr Kind zugenommen hat. Wenn Sie Probleme und Fragen haben, werden Arzt und Schwester Ihnen gerne Antwort geben. Teilen Sie dem Arzt in der Klinik mit, zu welchem Kinderarzt Ihres Vertrauens Sie gehen möchten. Bei Bedarf kann Ihnen das Krankenhaus geeignete niedergelassene Kinderärzte in Ihrer Nähe nennen.
In der Regel bekommen Sie bei der Entlassung einen Kurzbrief mit, aus dem der weiter behandelnde Arzt alle wichtigen Diagnosen und Untersuchungsergebnisse entnehmen kann. Für den ausführlichen Bericht über den gesamten Stationsaufenthalt Ihres Kindes braucht Ihr Klinikarzt noch etwas Zeit. Ihr behandelnder Arzt erhält den Bericht per Post. In einigen Kliniken gibt es bereits eine spezielle Frühgeborenensprechstunde, in der Sie kompetent beraten werden und ein individueller Nachsorgeplan für Ihr Kind aufgestellt wird.
Erfragen Sie die Adressen einer Hebamme, Stillberaterin und »Frühchen-Eltern-Gruppe« in Ihrer Nähe. Das gibt Ihnen Sicherheit, wenn Probleme auftauchen sollten. Zögern Sie dann nicht, die genannten Personen anzurufen und um Hilfe zu bitten.
Regelmäßige Besuche beim Kinderarzt!
Regelmäßige Besuche beim Kinderarzt sind die beste Voraussetzung, damit Ihr Kind gesund bleibt oder Krankheiten frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Vorbeugung ist ein wichtiges Stichwort: Obwohl Frühgeborene eine eingeschränkte Infektabwehr haben, sollten sie ab dem dritten Lebensmonat – gerechnet nach dem richtigen und nicht nach dem erwarteten Geburtstermin – geimpft werden, denn die Erkrankungen wie zum Beispiel Keuchhusten oder Kinderlähmung sind viel gefährlicher als die eventuellen Nebenwirkungen der Impfung. Als erste Impfungen steht die Sechsfachimpfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Kinderlähmung, Hämophilus influenzae B (ansteckende Hirnhautentzündung) und Hepatitis B und die Pneumokokkenimpfung auf dem Plan. Nur sehr unreife Frühgeborene befinden sich zum ersten Impftermin noch in der Klinik, wo dann auch die Impfung durchgeführt wird. Bei einem Gewicht unter 2.000 Gramm wird die erste Impfung noch etwas verschoben. Der Kiinderarzt informiert die Eltern auch über zusätzliche Impfungen (Rotavirus) und Immunisierungen (RSV), die für Frühgeborene besonders in den Wintermonaten wichtig sind.
Frühgeborene sind meist recht anfällig für Erkrankungen der Atemwege. Das hängt damit zusammen, dass die Lunge ihre volle Funktionsfähigkeit erst etwa in der 34./35. Schwangerschaftswoche erreicht. Wird das Baby davor geboren, sind die kindlichen Lungenbläschen noch zu wenig mit einem Oberflächenfaktor (Surfactant) ausgekleidet. Ohne diesen Oberflächenfaktor fällt die Lunge in der Ausatemphase in sich zusammen und die Sauerstoffaufnahme ist stark vermindert. Um das Atemnotsyndrom zu verhindern, ist eine Anreicherung der Atemluft im Brutkasten mit Sauerstoff oder eine maschinelle Beatmung mit Hilfe eines Schlauchs erforderlich. Diese Kinder sind (auch später) extrem anfällig für Bronchitis, Lungenentzündung und Infektionen. Dass Sie als Eltern die empfindlichen Atemwege Ihres Kindes nicht zusätzlich durch Zigarettenrauch belasten sollten, ist selbstverständlich.
Besonders gefährlich für Frühgeborene ist das RS-Virus. Dieser Erreger kommt besonders in den kalten Monaten zwischen September und April vor. Die meisten Erwachsenen und Kinder tragen oft nur einen Schnupfen, eine milde Bronchitis oder gar keine Beschwerden davon. Bei Frühgeborenen, die vor der 35. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, sieht das jedoch anders aus. Sie haben ein erhöhtes Risiko, an einer RSV-Infektion schwer zu erkranken. Der Atemtrakt kann so stark in Mitleidenschaft gezogen werden, dass ein stationärer Aufenthalt bis hin zur intensivmedizinischen Betreuung notwendig ist. Die Symptome einer RSV-Infektion erkennt man an Husten, laufender Nase, eventuell auftretendem Fieber, beschleunigter und rasselnder Atmung und Herzfrequenz sowie Atemnot.
Für Frühgeborene gibt es einen wirksamen medikamentösen RSV-Infektionsschutz. Ein spezieller Antikörper kann Ihr Kind vor RSV-Erkrankungen weitgehend schützen. Der Kinderarzt spritzt eine kleine Menge des Antikörpers in den Muskel des Oberschenkels des Babys. Die Injektionen sollten alle 4 Wochen während des Winterhalbjahres (September bis März/April) gegeben werden. Die Erfolge sind beachtlich: Der Antikörper wird von den Kleinen gut vertragen und die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten geht deutlich zurück. Auftreten und Schwere der RSV-Infektionen verringern sich.
Das RS-Virus wird nicht nur über Tröpfchen mit der Luft, sondern auch über die Hände übertragen. Zudem ist die Krankheit schon bis zu 48 Stunden vor Auftreten der Symptome ansteckend und das Ansteckungsrisiko hält sieben Tage an. Eine Infektion lässt sich deshalb nur schwer vermeiden. Sie können das Infektionsrisiko für sich und Ihr Kind aber senken, wenn Sie folgendes beachten:
- Rauchen Sie unter keinen Umständen in Gegenwart oder in Umgebung Ihres Babys! Denn Tabakrauch schadet den kleinen Atemwegen und erhöht das Risiko für Ihr Kind, an einer schweren RSV-Infektion zu erkranken.
- Hygiene ist während der Wintermonate oberstes Gebot. Sorgfältiges Händewaschen (1 Minute) und ggf. ein Händedesinfektionsmittel sind ebenso Pflicht wie gründliche Reinigung der Brille.
- Versuchen Sie im ersten Winter engen Kontakt mit erkälteten Personen zu meiden. Verwandte und Bekannte, die den neuen Erdenbürger begrüßen wollen, müssen gesund sein.
- Muten Sie sich und Ihrem Kind nicht zu viel zu; ein bis zwei Besuche pro Woche reichen, Menschenansammlungen erhöhen das Übertragungsrisiko. Besonders wenn Geschwisterkinder in den Kindergarten gehen, ist die Gefahr einer RSV-Infektion groß.
Zum Infektionsschutz Ihres Winzlings in den Wintermonaten gehört auch, dass sich möglichst alle Familienmitglieder (Eltern, Geschwister und Verwandte, zu denen das Kind viel Kontakt haben wird) gegen Grippe impfen lassen. Sie verhindern eine Ausbreitung dieser hoch ansteckenden Virusinfektion in der unmittelbaren Umgebung Ihres Babys.
Zusätzlich zu den Vorsorgeuntersuchungen sollte ein ehemaliges Frühgeborenes regelmäßig neurologisch untersucht werden (in der Regel im 3., 6., 12. und 18. Lebensmonat nach korrigiertem Lebensalter). Auf die Frühchennachsorge spezialisierte Ärzte und Therapeuten können ein Programm mit Frühförderungsmaßnahmen für das Baby erstellen, durchführen und kontrollieren, so dass die bestmögliche Entwicklung des Kindes erreicht werden kann.


